Kalkung

Wegen der vielfältigen Wirkung des Kalkes stellt der für einen bestimmten Standort anzustrebende pH-Wert einen Kompromiss dar, der die optimale Nährstoffverfügbarkeit, Bodengare und biologische Aktivität gewährleistet. Der richtige pH-Wert hängt ab von der Bodenart, dem Humusgehalt und der Art der Nutzung (Acker, Grünland). Ähnlich der bekannten Einstufung der Nährstoffversorgung in die Gehaltsklassen A bis E wird auch der gemessene pH-Wert einer Gehaltsklasse zugeordnet, um eine schnelle und einfache Bewertung der Kalkversorgung vornehmen zu können.

Die verschiedenen Wirkungsweisen des Kalkes lassen sich unterscheiden in:

  • Nährstoffverfügbarkeit: Ein optimaler pH-Wert ist für eine hohe Nährstoffverfügbarkeit im Boden und damit eine effiziente Wirkung der angewendeten Düngemittel essentiell. Eine Kalkung saurer Böden verbessert über die Erhöhung des pH-Wertes auch die Nährstoffverfügbarkeit. Während Phosphat und Bor im schwach sauren bis neutralen Bereiche (pH 6 - 7) am besten verfügbar sind, nimmt die Löslichkeit der Spurenelemente (außer Molybdän) mit steigendem pH-Wert ab.
  • Strukturbaustein des Bodens: Über das Calcium als Brücke zwischen Ton und Humus wird die Bodenstrukturbildung gefördert. Dies ist vor allem auf schweren, ton- und schluffreichen Böden besonders wichtig. Die Verschlämmungs- und Erosionsneigung wird gemindert, die Böden sind tragfähiger und weniger anfällig gegenüber Verdichtungen, wodurch gleichzeitig das Wurzelwachstum der Pflanzen und der Luft-, Wasser- und Wärmehaushalt des Bodens begünstigt werden.
  • Erhaltung der Bodenfruchtbarkeit: Bodenversauerung führt zur Abnahme der Bodenfruchtbarkeit bis hin zur Bodendegradierung. Bodenorganismen meiden saure Böden. Ein neutrales Bodenmilieu ist folglich eine der Voraussetzungen für ein intensives Bodenleben. Erst durch die Tätigkeit der Bodenbewohner wird die Streu abgebaut und Humus freigesetzt. Dadurch wiederum wird der Boden locker, krümelig und nährstoffreich.
  • puffert Bodensäuren: Eine Kalkung reguliert den pH-Wert im Boden, indem Bodensäuren abgepuffert werden. Dadurch kann einer Bodenversauerung durch Wasserstoffionen (H+) infolge der Wurzelatmung, Nährstoffaufnahme etc. entgegengewirkt werden. Die Pufferkapazität des Bodens schützt auch das Nitrat vor Auswaschung.
  • Pflanzennährstoff: Kalk liefert nach seiner Mineralisierung Calcium (Ca) für die Pflanzenernährung. Das Calcium selbst ist ein essentieller Pflanzennährstoff. Die Ca-Versorgung der Pflanzen ist aus der Sicht der Pflanzenernährung meist gewährleistet und ein Mangel tritt mit Ausnahme vom intensiven Obst- u. Gemüsebau nur selten auf. Leguminosen haben einen höheren Kalkanspruch als Gräser. Gleichzeitig wirken Leguminosen stärker bodenversauernd als Gräser, weil infolge der Luftstickstoffbindung der Leguminosen die Pflanzen den Stickstoff vorrangig in Form von Ammonium (NH4+) aufnehmen. Die insgesamt stärkere Kationenaufnahme (K, Ca,Mg und besonders NH4) führt zu einer verstärkten Wasserstoffionenabgabe (H+) über die Wurzeln und damit zu einemstärkeren pH-Abfall. Unter pH 5 ist das Kleewachstum stark eingeschränkt.

Kalkdünger

Für die Kalkung kommt eine breite Palette an Kalkdüngern in Betracht. Für die Erhaltungskalkung sind kohlen und kieselsaure Kalke ausreichend schnell wirksam. Branntkalk und Mischkalk eignen sich vor allem für die schnelle pH-Anhebung (Aufkalkung) auf mittleren und schwereren Böden. Auf leichten Standorten sollten sie wegen der geringen Pufferfähigkeit des Bodens nicht eingesetzt werden. Für Grünland sind sie ebenfalls weniger geeignet, da beim Einsatz von Branntkalk Ätzschäden an Pflanzen auftreten können. Neben diesen klassischen Kalkformen lässt das Düngemittelrecht weitere Kalke industrieller Herkunft zu, wozu unter anderem auch der Carbokalk gehört. Je nach Herkunft können diese sehr unterschiedliche CaO-Gehalte aufweisen. Gleiches gilt für die Reaktivität, so dass zur Beurteilung der Wirkgeschwindigkeit diesbezügliche Angaben eingefordert werden sollten.

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Interpretationstabellen der Landwirtschaftskammer NRW:

Die Interpretation der Gehaltsklassen enthält die Tabelle „Bedeutung der Kalkgehaltsklassen“.In den Tabellen „Ziel-pH-Wert und Erhaltungskalkung“ sind bodenart- und humusgehaltsabhängige Ziel-pH-Werte angegeben. Wenn der pH-Wert im Optimalbereich liegt, muss regelmäßig gekalkt werden, um die unvermeidbaren Kalkverluste zu ersetzen (Erhaltungskalkung). Die hierzu im Mittel für drei Jahre benötigten Kalkmengen für Acker- und Grünland sind in den Tabellen „Ziel-pH-Wert und Erhaltungskalkung“ aufgeführt. Bei Unterschreitung des optimalen pH-Bereiches müssen die Kalkgaben gegenüber der Erhaltungskalkung gesteigert werden, um den pH-Wert mittelfristig bis zum gewünschten Niveau anzuheben. Die Tabellen „Aufkalkungsempfehlung“ enthalten gerundete Kalkmengen für die Aufkalkung bei Unterschreitung des Ziel-pH-Wertes in Abhängigkeit vom gemessenen pH-Wert.