Komposteinsatz - nach Düngeverordnung 2018

In der neuen Düngeverordnung sind einige neue Regeln für den Einsatz von Kompost enthalten. Wir möchten Ihnen einen Überblick über die Regelungen zum Komposteinsatz mit Blick auf Trinkwassergewinnungsgebiete geben.

Kompost ist ein organischer Dünger, der den Humusgehalt im Boden stabilisieren und verbessern kann und der in den Nährstoffkreislauf gehört, aber wohl dosiert und analysiert,  bevor ein nicht kalkulierbares Risiko entsteht. Qualität ist hier der wichtigste Faktor für den Einsatz in Trinkwassergewinnungsgebieten.

Sperrfrist von Kompost:

Für Kompost muss unterschieden werden, ob sie einen wesentlichen Gehalt an Stickstoff besitzen.
Komposte mit über 1,5 % N in der Trockenmasse (TM) haben per Definition einen wesentlichen Gehalt an Stickstoff und unterliegen der Sperrfrist.
-> 15.12.17 – 15.01.18
Einige Komposte haben keinen wesentlichen Gehalt an Stickstoff, wenn ihr Ursprungsmaterial aus stickstoffarmen Materialien bestand. Diese Komposte mit weniger als 1,5 % N in der Trockenmasse unterliegen nicht der Sperrfrist.
Tipp: Die Angabe von N in kg/t FM werden mit 100 multipliziert und durch den TS Gehalt geteilt, dann erhält man den N-Gehalt in kg/t TM. Wenn man diesen N-Gehalt in kg/t TM durch 10 teilt erhält man die Angaben von % N in der TM.

Lagerung von Kompost:

Bitte achten Sie darauf, dass Sie nicht den Lagerraumengpass Ihres Kompostwerkes übernehmen. Mit dem Zeitpunkt des Abkippens auf Ihrer Fläche geht die Verantwortung für das Material und die Folgen an den Bewirtschafter über. Wir weisen darauf hin, dass grundsätzlich ein Abkippen von Kompost im Feld nur zur direkten Ausbringung zulässig ist. Außerdem sollte die abgekippte Menge Kompost nicht den Bedarf der anliegenden Fläche überschreiten.
Tipp: Sorgen Sie für Transparenz und Verständnis in der Bevölkerung und bei Ihren Kooperationspartnern. Bitten Sie Ihren Anlieferer auch die Kippstelle zu beschildern.

Ausbringung von Kompost:

Komposte in Trinkwassereinzugsgebieten auf gefrorenen Boden auszubringen macht nur Sinn aus Gründen der Befahrbarkeit. Es muss ein Pflanzenbewuchs vorhanden sein um überhaupt bei Frost zu fahren. Warten Sie bis ins Frühjahr bis der Boden weit genug abgetrocknet ist. Ein Abschwemmen auf benachbarte Flächen oder in Gewässer hinein muss ausgeschlossen werden! Selbstverständlich muss die Ausbringung entsprechend dem Pflanzenbedarf sein und im Rahmen der errechneten Obergrenzen des Schlages erfolgen.

Düngebedarfsermittlung

In der Düngebedarfsermittlung wird vor der Düngung die maximale Obergrenze an zu gebenden Stickstoff und Phosphor schlagspezifisch berechnet.

Stickstoffnachlieferung aus dem Vorjahr

Das Schema zur Stickstoffbedarfsermittlung gibt vor, dass von organischen Düngern, die im Vorjahr ausgebracht wurden, 10 % der Gesamtstickstoffmenge als Nachlieferung vom Stickstoffbedarfswert für das aktuelle Jahr abgezogen werden müssen. Genau so kann auch für die Stickstoffnachlieferung aus Kompost verfahren werden.
Alternativ kann man aber auch bei der Düngebedarfsermittlung eine Aufteilung der Gesamtstickstoffmenge des Kompostes auf drei Jahre vornehmen. In diesem Fall muss im ersten Jahr nach der Aufbringung des Kompostes 4 % und im 2. und 3. Jahr jeweils 3 % abgezogen werden.
Tipp: Es kann je nach Strategie des Betriebes eine von beiden Möglichkeiten ausgewählt werden. Wir weisen darauf hin, dass die Möglichkeit der Aufteilung zwar dem Nachlieferungsvermögen des Kompostes gerechter wird, aber es entsteht ein höheren Dokumentationsaufwand. Man muss über drei Jahre genau nachhalten, welche Stickstoffnachlieferung bei der Düngebedarfsermittlung abgezogen werden muss.
Die Nachlieferung von Stickstoff des Vorjahres bei der Düngebedarfsermittlung wird von der im Lieferschein ausgewiesenen Gesamtstickstoffmenge berechnet. Ein Abzug von Aufbringverlusten ist dabei nicht möglich. Nichts auf dieser Welt geht verloren, auch der gebunden Stickstoff im Kompost wird verfügbar und führt je nach Strategie hoffentlich zum Ertrag.

N-Obergrenzen im Ausbringungsjahr

Das Ergebnis der Düngebedarfsermittlung ist eine schlagspezifische Nährstoffobergrenze, die berechnet und aufgeschrieben werden muss und die nicht überschritten werden darf. Die N-Sollwerte der Vergangenheit liegen unter dieser Obergrenze und stellen für unsere Region den Bedarf in der Praxis besser darf, es ist also sinnvoll diese Sollwerte bei der Düngung nicht zu vergessen. In der Wahl der Dünger innerhalb dieser Obergrenzen ist der Betrieb frei. Mineralische Dünger werden zu 100 % angerechnet. Für den Stickstoff aus organischer Düngung gibt es Mindestwerte für die Ausnutzung im Jahr der Aufbringung. Bei Grünschnittkomposten müssen mindestens 3 % und bei sonstigen Komposten mindestens 5 % des Gesamtstickstoffes berücksichtigt werden. Falls die Kennzeichnung oder eine Analyse des Kompostes höhere verfügbare Stickstoff- der Ammoniumgehalte ausweist, müssen diese angerechnet werden. Auch im Herbst ausgebrachte Komposte müssen dabei im betrieblichen Gesamtkonzept berücksichtig werden.
Zur Ermittlung der pflanzenverfügbaren Stickstoffmenge dürfen maximal - wie bei anderen organischen Düngemitteln auch - für Kompost 10 % von der aufgebrachten Stickstoffgesamtmenge als Verluste während und nach der Aufbringung  („Aufbringungsverluste“) in Abzug gebracht werden.
Tipp: Zur Absicherung Ihrer Lieferscheindaten sollten Sie immer eine eigne Rückstellprobe der Charge ziehen.

Phosphat im Kompost in der Düngebedarfsermittlung

Die Phosphatmengen aus dem Kompost müssen bei der Düngebedarfsermittlung immer voll berücksichtigt werden. Durchschnittlich entziehen Ackerkulturen 80 kg P2O5/ha, eine moderate Kompostgabe (15 t FM, P2O5 Gehalt von 5 kg/t) deckt also den einjährigen Bedarf. Werden innerhalb von 3 Jahren 40 t FM Kompost je ha ausgebracht, was ungefähr die erlaubte Obergrenze nach Bioabfallverordnung ist, wären das bei einem Gehalt von 5 kg P2O5/t schon 200 kg P2O5 je ha, das reicht schon annähert für den Bedarf einer dreijährige Fruchtfolge. Bei Bodengehalten von über 20 mg P2O5/100 g Boden (CAL) ist eine P-Düngung nur noch bis maximal der P-Abfuhr erlaubt.

Nährstoffvergleich

Die Düngebedarfsermittlung setzt die maximale Obergrenze für N und P auf dem Schlag vor der Düngung fest. Es muss aber nicht zwingend während der Saison aufgeschrieben werden, welche Dünger in welcher Menge ausgebracht worden sind um unter der Obergrenze zu bleiben. Der Nährstoffvergleich, welcher nach der Düngung für den gesamten Betrieb gerechnet wird, hat auch Obergrenzen die eingehalten werden müssen. Diese sind zum einen die N und P Salden über 3 bzw. 6 Jahre, aber auch die 170 N Obergrenze.

N-Anrechnung im Nährstoffvergleich

Die Stickstoffzufuhr durch den Kompost muss zu 100 % als Zufuhr in die Nährstoffbilanz eingetragen werden. In Nordrhein-Westfalen werden die humusaufbauende Wirkung des Kompostes und die daraus resultierende langfristige Nachlieferung berücksichtigt, sodass zukünftig maximal 70 % des eingesetzten Gesamtstickstoffes bei der Zufuhr im Nährstoffvergleich abgezogen werden dürfen. Das bedeutet, dass 30 % des Gesamtstickstoffes im Nährstoffvergleich angerechnet werden.
Auch hier bestehen wie in der Düngebedarfsermittlung zwei Möglichkeiten frei zur Auswahl.
Die erste Möglichkeit im Nährstoffvergleich wäre die Stickstoffzufuhr aus dem Kompost im ersten Jahr mit 30 % anzurechnen. Es besteht aber auch die Möglichkeit diese Stickstoffzufuhr auf 3 Jahre zu verteilen, so dass im Aufbringjahr und in den zwei Folgeberechnungen jeweils 1/3 der Gesamt-N –Menge aus dem Kompost als Zufuhr im Nährstoffvergleich eingetragen werden müssen. In den drei Jahren müssen dann jährlich 10 % des Gesamtstickstoffgehaltes aus dem Kompost Nährstoffvergleich als Zufuhr angerechnet. Auch hier bei der zweiten Möglichkeit den Dokumentationsaufwand über 3 Jahre nicht vergessen.
Tipp: Rechnen Sie einfach mal vor der Düngung den Nährstoffvergleich um zu schauen, ob Sie im N (zukünftig 50 kg) und P (zukünftig 10 kg) Saldo bleiben würden.

P bleibt auch im Nährstoffvergleich bei 100 %

Für den Nährstoff Phosphor gelten diese Ausnahmen nicht. Die Phosphat-Mengen aus dem Kompost werden zu 100 % bewertet. Dabei ist zu berücksichtigen, dass der P-Kontrollwert in der DüV 2017 auf 10 kg P2O5/ha und  Jahr im Durchschnitt von 6 Jahren herabgesetzt wurde.
Tipp: Schauen Sie nach dem P-Entzug Ihrer Fruchtfolge, Phosphor ist der begrenzende Faktor bei Kompost. Geht man auf seinem Schlag an die Grenze der erlaubten Menge laut Bioabfallverordnung muss man sich im Klaren sein, dass man nur noch geringe Mengen P aus anderen Düngerquellen  einsetzen darf, denn P wird immer zu 100 % berücksichtigt.

Bitte beachten Sie, wenn Sie Kompost aufnehmen, dass Sie sicher sind, dass die angelieferten Nährstoffe zu Ihren Nährstoffbilanz Salden passen.

Tipp: Sollten sich Ihre Flächen in 2018 nicht wesentlich geändert haben, verlangen Sie vom Anbieter des Kompostes eine Berechnung, damit Sie sicher sein können, dass die Obergrenzen eingehalten werden und Sie durch den Komposteinsatz in Zukunft nicht in Ihrer Bewirtschaftung eingeschränkt werden.

170er Regelung: N-Obergrenze im Betriebsdurchschnitt

Bisher galt die N-Aufbringungsobergrenze nur für Wirtschaftsdünger tierischer Herkunft (z. B. Gülle u. Stallmist). Die DüV 2017 bezieht auch die Gesamtstickstoffgehalte des Kompostes mit in diese Grenze ein.
Grundsätzlich darf man die 170er Aufbringungsobergrenze für den Durchschnitt der landwirtschaftlich genutzten Fläche eines Betriebes pro Jahr nicht überschreiten.
Bei einer Kombination von organischen Düngern und Kompost in einem Betrieb kann die im Jahr der Anwendung aufgebrachte Stickstoffmenge aus der Kompostdüngung auf drei Jahre aufgeteilt werden. Die 170 Norg/ha im Betriebsschnitt müssen dabei aber eingehalten werden.
Für Kompost darf diese Obergrenze 170 kg N/ha über einen Zeitraum von drei Jahren zusammengefasst werden, wenn KEIN anderer organischer Dünger genutzt wird. Das heißt es gilt die Obergrenze 510 kg N/ha in einem Zeitraum von drei Jahren. Diese Regelung macht es Betrieben möglich, die Kompost als alleinigen organischen Dünger im Betrieb einsetzen, in einem Jahr die 170er Grenze zu überschreiten.
Tipp: Achtung bei der Obergrenze 510 kg N/ha: über die durch die Bioabfallverordnung festgelegte Obergrenze im Jahr darf man nicht gehen!

Fazit:

Sinnvoll Kompost einzusetzen ist eine Lösung. Die Verbesserung der Bodenstruktur und die Erhöhung des Wasserhaltevermögens sind überaus positive Eigenschaften des Kompostes.

Achten Sie auf Grenzen und die Qualität des Kompostes und nehmen Sie sich Zeit für eine genaue Planung. Dann können Sie transparente und nachhaltige Stoffströme in Ihrem Betrieb gewährleisten und eine Landwirtschaft für den Trinkwasserschutz mit gestalten. 

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